Gibt es Nebenwirkungen bei der Safe and Sound Protocol-Behandlung?
Eine ehrliche Antwort, ohne die Dinge schöner darzustellen, als sie sind: Was die Praxis zeigt, was die Forschung besagt und wie ein behutsamer Aufbau die Reaktionen mild hält.
Es ist ratsam, diese Frage zu stellen, bevor Sie beginnen. Wir beantworten sie lieber umfassend und ehrlich als beruhigend vage. Die kurze Antwort: Das SSP ist ein nicht-invasives Hörprogramm, das von den meisten Menschen gut vertragen wird. Gleichzeitig wirkt es direkt auf Ihr Nervensystem ein, weshalb vorübergehende Reaktionen auftreten können – insbesondere, wenn Sie zu schnell oder mit zu hoher Lautstärke hören.
Welche Reaktionen treten auf?
Die Reaktionen, von denen Menschen manchmal während oder nach dem Hören berichten, sind im Allgemeinen mild und vorübergehend:
- Mehr Unruhe oder ein Gefühl der Anspannung
- Kopfschmerzen oder Müdigkeit
- Schwindel
- Emotionale Intensität oder eine vorübergehende Entladung
- Vorübergehend erhöhte Reizempfindlichkeit oder verstärkte Beschwerden bei bestehendem Tinnitus
- Lebhaftere Träume oder Veränderungen im Schlaf
Eine vorübergehende Phase, in der man ‘mehr fühlt’, ist nicht unbedingt falsch. Oftmals ist es das Nervensystem, das Spannungen oder Traumata loslässt und sich neu reguliert. Genau aus diesem Grund begleiten wir die Betroffenen und dosieren die Maßnahmen individuell: damit eine Wirkung bei gleichzeitiger Stabilität erzielt wird.
Der Grundgedanke: Weniger ist mehr
Eine starke Reaktion ist kein Zeichen dafür, weiterzumachen, sondern dafür, das Tempo zu drosseln. Konkret bedeutet dies, dass Sie mit einer Minute oder weniger pro Tag beginnen und von dort aus mit einem individuellen Hörplan langsam aufbauen. Sollte sich bei unserem Erstgespräch herausstellen, dass wir bei Ihnen besondere Vorsicht walten lassen müssen, beginnen Sie in den ersten Tagen mit wenigen Sekunden pro Tag. Je leiser die Lautstärke und je kürzer die Sitzung, desto weniger intensiv ist das Erlebnis. Es ist besser, etwas zu langsam vorzugehen als zu schnell.
Und Tinnitus? Ehrlich über das, was im Internet kursiert
Wer online recherchiert, stößt auf Reddit gelegentlich auf Berichte von Menschen, die glauben, durch SSP Tinnitus oder Schwindel entwickelt zu haben. Es ist wichtig, dies ins rechte Licht zu rücken, ohne dabei die Erfahrungen anderer abzutun.
Zunächst einmal die Zahlen: Tinnitus tritt in Europa bei etwa 15% der Menschen auf, völlig unabhängig vom SSP. Das ist eine hohe Zahl. Da Sie ein Jahr lang Zugang haben, ist die Wahrscheinlichkeit statistisch gesehen real, dass bei jemandem zufällig im selben Jahr ein Tinnitus auftritt – ohne dass dies unbedingt etwas mit dem SSP zu tun haben muss.
Unter unseren eigenen Klienten gab es keine Personen, bei denen durch das SSP ein Tinnitus auftrat. Wir hatten jedoch Klienten, die bereits an Tinnitus litten; in der Praxis kann SSP diese Beschwerden vorübergehend verschlimmern, keine spürbare Wirkung zeigen oder sogar Linderung verschaffen – dies lässt sich im Voraus nicht vorhersagen.
Auch die Online-Meldungen wurden ernst genommen. Unyte hat sie eingehend untersucht. Das Fazit: SSP wird nach wie vor als sicher und unbedenklich angesehen, die gemeldeten Fälle waren vorübergehender Natur, und die Prävalenz war nicht höher als in der Gruppe, die SSP nicht hört. Dabei sagen wir ganz offen: Wir können nicht mit absoluter Sicherheit garantieren, dass es für jeden völlig risikofrei ist. Gerade diese Ehrlichkeit ist uns wichtiger als ein schönes Verkaufsargument.
Leiden Sie bereits an Tinnitus oder sind Sie sehr geräuschempfindlich?
Dann erhalten Sie von uns einen speziellen, besonders schonenden Hörplan. Das Wichtigste dabei: Beginnen Sie die ersten Male über einen Lautsprecher statt über Kopfhörer, stellen Sie die Lautstärke so leise ein, dass die Musik gerade noch hörbar ist, und steigern Sie die Lautstärke ganz langsam. Wir erkundigen uns nach jeder Bestellung immer nach bereits bestehendem Tinnitus und besprechen dies offen mit Ihnen. Eine schöne Ergänzung, die wir oft empfehlen, ist das Hörbuch “Rock Steady” von Joey Remenyi.
Sind Sie neugierig, ob SSP zu Ihrem Nervensystem passt und wie empfindlich Ihr System derzeit ist?
Machen Sie den kostenlosen Nervensystem-CheckWie wir die Reaktionen so moderat wie möglich gestalten
Der Unterschied zwischen einer überwältigenden und einer sanften, regenerierenden Erfahrung liegt fast immer im Tempo, in der Intensität und in der Begleitung. Deshalb ist bei uns kein Programm ein Schema, das Sie alleine durchlaufen:
- Im Rahmen eines persönlichen Erstgesprächs werden Ihre Empfindlichkeiten und Ihre Ausgangslage ermittelt – denken Sie dabei an Migräne, starke Empfindlichkeit, bestimmte Medikamente, eine Epilepsieanamnese oder ein kürzlich erlittenes Trauma
- Ein individuell abgestimmter Einnahmeplan, der häufig mit einer Mikrodosierung beginnt
- Leise Lautstärke als Grundregel: nur so laut, dass man die Musik gerade noch gut hört
- Im Zweifelsfall sollten Sie zunächst einen Lautsprecher verwenden und erst danach Kopfhörer
- Schriftliche Begleitung während des gesamten Prozesses, mit Korrekturen, wo dies erforderlich ist
Spüren Sie während oder nach dem Hören Anspannung oder Beschwerden?
Dann halten wir uns an einen einfachen Schritt-für-Schritt-Plan:
- Hören Sie bitte kurz auf zuzuhören.
- Machen Sie mindestens einen Tag Pause.
- Beginnen Sie anschließend erneut bei der Hördauer, bei der Sie keine Auffälligkeiten festgestellt haben.
- Bitte teilen Sie uns dies telefonisch oder per E-Mail mit. Bei Bedarf erhalten Sie einen angepassten Hörplan.
Wann ist das SSP nicht (einfach so) geeignet?
Sicherheit hat oberste Priorität. Wir raten davon ab, das SSP in folgenden Situationen anzuwenden, oder empfehlen, dies erst nach Rücksprache zu tun:
- Kein sicherer oder geeigneter Ort, um in Ruhe zuzuhören
- Eine aktuelle Psychose
- Eine instabile bipolare oder manisch-depressive Phase
- Ein unbehandeltes Trauma ohne soziales Netzwerk, professionelle Hilfe oder ausreichende Selbsterkenntnis
In solchen Fällen ist zunächst eine Stabilisierung oder eine andere Form der Unterstützung erforderlich. Das SSP ist ein begleitendes Hörprogramm und kein Ersatz für die Betreuung durch einen Arzt, Psychologen oder Therapeuten – es wird oft gerade zusätzlich dazu eingesetzt.
Kurze Fragen, kurze Antworten
Gibt es Nebenwirkungen bei SSP?
Das SSP-Verfahren ist nicht-invasiv und wird von den meisten Menschen gut vertragen. Gelegentlich treten vorübergehende Reaktionen wie Müdigkeit, Kopfschmerzen, erhöhte Unruhe, emotionale Entladung oder eine kurzzeitige erhöhte Reizempfindlichkeit auf, insbesondere bei zu schnellem Hören. Von unseren über 300 Klienten leidet derzeit eine Person unter anhaltenden Beschwerden; bei einem ruhigen, angepassten Zeitplan bleiben die Reaktionen jedoch fast immer mild und vorübergehend.
Kann ich durch das SSP einen Tinnitus bekommen?
Wir hatten keine Kunden, bei denen durch SSP ein Tinnitus aufgetreten ist. Tinnitus tritt in Europa bei etwa 15% der Menschen auf, unabhängig von SSP; statistisch gesehen kann es also vorkommen, dass er zufällig im selben Jahr beginnt. Unyte hat die wenigen Online-Meldungen untersucht und keinen Anstieg im Vergleich zu Personen festgestellt, die kein SSP hören; die gemeldeten Reaktionen waren vorübergehend. Bei bereits bestehendem Tinnitus arbeiten wir mit einem speziellen, besonders vorsichtigen Hörplan.
Was soll ich tun, wenn ich beim Zuhören eine unangenehme Reaktion verspüre?
Hören Sie auf, machen Sie mindestens einen Tag Pause und beginnen Sie danach wieder mit der Hördauer, bei der Sie keine Beschwerden hatten. Nehmen Sie Kontakt mit uns auf, dann schauen wir gemeinsam, was los ist, und passen den Zeitplan an. Eine starke Reaktion ist ein Signal, das Tempo zu drosseln, nicht weiterzumachen.
Wie kann ich die Wahrscheinlichkeit von Reaktionen so gering wie möglich halten?
Hören Sie so leise wie möglich (gerade noch hörbar), steigern Sie die Dosis bei der Mikrodosierung langsam und verwenden Sie die ersten Male gegebenenfalls lieber einen Lautsprecher statt Kopfhörer. Der Grundsatz lautet: Weniger ist mehr. Lieber etwas zu langsam als zu schnell.
Wann sollte ich das SSP besser nicht ohne Rücksprache durchführen?
Bei einer akuten Psychose, einer instabilen bipolaren oder manisch-depressiven Phase, einem unbehandelten Trauma ohne soziales Netzwerk oder professionelle Hilfe oder dem Fehlen eines sicheren, ruhigen Ortes zum Zuhören. Bitte nehmen Sie in diesen Fällen zunächst Kontakt mit uns auf. Das SSP ist ein begleitetes Zuhörprogramm und kein Ersatz für medizinische oder psychologische Betreuung.
Mit der richtigen Begleitung muss Sicherheit kein Grund zur Sorge sein
Lesen Sie zunächst in Ruhe alles über das SSP nach oder beginnen Sie mit einem Programm, das sich Ihrem Tempo und Ihrer Empfindlichkeit anpasst.
Das SSP ist ein begleitendes Hörprogramm, keine medizinische Behandlung. Reaktionen und Erfahrungen sind individuell und variieren je nach Nervensystem. Bei Zweifeln oder bestehenden Beschwerden sollten Sie sich stets mit uns oder einem Arzt beraten.
Noch keine Antworten